Artemether – der fettlösliche Malaria-Wirkstoff

ArtemiCure® – Artemether

Artemether

Der fettlösliche Malaria-Wirkstoff zum Schlucken und Spritzen - ArtemiCure® / PhytoCureXL LLC – Stand: April 2026

Ein Artemisinin-Derivat aus Artemisia annua – verständlich erklärt

Was ist Artemether?

Artemether ist ein halbsynthetischer Wirkstoff, der – wie Artesunat – aus dem natürlichen Pflanzeninhaltsstoff Artemisinin des Einjährigen Beifußes (Artemisia annua) hergestellt wird. Im Unterschied zu Artesunat ist Artemether ein Methylether-Derivat: Das bedeutet, dass an der Artemisinin-Grundstruktur eine Methylgruppe (eine kleine Kohlenstoff-Wasserstoff-Einheit) angehängt wurde.

Diese chemische Veränderung hat eine wichtige Konsequenz: Artemether ist fettlöslich (lipophil), aber in Wasser praktisch unlöslich. Dadurch eignet es sich besonders gut für die Einnahme als Tablette (zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit) oder als intramuskuläre Injektion in Öl.

Die WHO nahm Artemether bereits 1997 in ihre Liste der unentbehrlichen Arzneimittel auf. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist es seit 1999 als Kombinationspräparat mit Lumefantrin unter dem Handelsnamen Riamet zugelassen, weltweit auch unter dem Namen Coartem.

Steckbrief auf einen Blick

Wirkstoffname Artemether (engl. Artemether)
Chemische Formel C₁₆H₂₆O₅
Molekulargewicht 298,4 g/mol
Löslichkeit Fettlöslich (lipophil), in Wasser unlöslich
Verabreichung Oral (Tabletten), intramuskulär (i.m.)
Handelsname Riamet® (mit Lumefantrin), Coartem®
Hersteller Novartis Pharma
WHO-Listung Seit 1997 auf der Liste unentbehrlicher Arzneimittel
Zulassung CH seit 1999, EU zugelassen

Wie wirkt Artemether?

Der Wirkmechanismus

Der grundlegende Wirkmechanismus von Artemether ist identisch mit dem aller Artemisinin-Derivate: Die Endoperoxidbrücke in der Molekülstruktur reagiert mit Eisenionen in den von Malaria-Parasiten befallenen roten Blutkörperchen. Dabei entstehen toxische freie Radikale, die die Proteine und Nukleinsäuren der Parasiten schädigen und sie abtöten.

Artemether selbst ist ein sogenanntes Prodrug – das heißt, es ist eine Vorstufe des eigentlich aktiven Wirkstoffs. Im Körper wird Artemether durch das Leberenzym CYP3A4 zu Dihydroartemisinin (DHA) umgewandelt. DHA ist dann der eigentliche aktive Wirkstoff, der die Parasiten bekämpft.

Artemether wirkt gezielt auf der Ebene der Nahrungsvakuole der Malaria-Erreger – dort, wo die Parasiten das Hämoglobin der Wirtszelle verdauen. Die entstehenden Radikale hemmen die Nukleinsäure- und Proteinsynthese der Parasiten und bringen sie zum Absterben.

Besonderheit: Fettlöslichkeit

Die Fettlöslichkeit von Artemether ist sowohl Vorteil als auch Nachteil:

  • Vorteil: Fettlösliche Stoffe können die Blut-Hirn-Schranke leichter überwinden. Das ist theoretisch bei zerebraler Malaria (Malaria mit Hirnbeteiligung) günstig, da der Wirkstoff auch ins Gehirngewebe gelangt.
  • Vorteil: Als Tablette ist Artemether einfach einzunehmen und für die ambulante Behandlung geeignet.
  • Nachteil: Bei intramuskulärer Injektion wird Artemether unregelmäßig und langsam aufgenommen. Bei schwerkranken Patienten kann die Aufnahme besonders unzuverlässig sein.
  • Nachteil: Die Halbwertszeit ist mit nur etwa 2 Stunden relativ kurz, sodass der Wirkstoff schnell abgebaut wird.

Wofür wird Artemether eingesetzt?

Haupteinsatzgebiet: Unkomplizierte Malaria tropica

Im Gegensatz zu Artesunat (das bei schwerer Malaria eingesetzt wird) liegt der Schwerpunkt von Artemether bei der Behandlung der unkomplizierten Malaria tropica – also bei Patienten, die zwar an Malaria erkrankt sind, aber noch bei Bewusstsein sind und Tabletten schlucken können.

Besonders wirksam ist Artemether bei Malaria-Erregern, die gegen andere Medikamente wie Chloroquin bereits resistent (widerstandsfähig) geworden sind.

Warum immer als Kombination?

Artemether wird grundsätzlich nie allein eingesetzt, sondern immer in Kombination mit Lumefantrin. Diese Kombinationstherapie heißt 'Artemisinin-basierte Kombinationstherapie' (ACT). Der Grund ist einfach: Würde man Artemether allein verwenden, könnten die Malaria-Parasiten schnell Resistenzen entwickeln und das Medikament würde seine Wirksamkeit verlieren. Lumefantrin hat einen anderen Wirkmechanismus und eine deutlich längere Halbwertszeit, sodass es die restlichen Parasiten beseitigt, nachdem Artemether die schnelle Anfangsarbeit geleistet hat.

Notfallmäßige Selbstbehandlung

Riamet eignet sich als Stand-by-Medikament für die notfallmäßige Selbstbehandlung von Malaria – etwa wenn ein Reisender in einem Malaria-Gebiet erkrankt und nicht sofort ein Arzt erreichbar ist. Es ist ausdrücklich nicht zur Malaria-Vorbeugung (Prophylaxe) geeignet.

Forschung: Krebs

Ähnlich wie bei Artesunat gibt es erste Untersuchungen zur Wirksamkeit von Artemether gegen Tumore. In Fallberichten wurde unter anderem über die Behandlung eines Hypophysen-Makroadenoms (gutartiger Hirntumor) berichtet, und Tierstudien zeigten wachstumshemmende Effekte auf Hirntumoren (Gliome). Diese Ergebnisse sind noch vorläufig und reichen nicht für eine klinische Empfehlung aus.

Wie wird Artemether angewendet?

Orale Einnahme (Riamet-Tabletten)

Die Standardbehandlung mit Riamet erfolgt über 3 Tage mit insgesamt 6 Dosen. Jede Tablette enthält 20 mg Artemether und 120 mg Lumefantrin.

Für Erwachsene und Jugendliche ab 35 kg Körpergewicht gilt:

  • Erste Dosis: 4 Tabletten
  • Zweite Dosis: 4 Tabletten nach 8 Stunden
  • Danach: 4 Tabletten zweimal täglich (morgens und abends) für 2 weitere Tage
  • Gesamtmenge: 24 Tabletten über 3 Tage

Sehr wichtig: Die Tabletten müssen zusammen mit einer Mahlzeit oder einem milchhaltigen Getränk eingenommen werden! Die Fettlöslichkeit bedeutet, dass der Wirkstoff nur dann richtig aufgenommen wird, wenn gleichzeitig Fett im Magen ist. Ohne fetthaltige Nahrung kann die Wirksamkeit deutlich reduziert sein.

Für Kinder und Säuglinge

Seit 2025 gibt es mit Riamet Baby eine spezielle Darreichungsform für Säuglinge (2 bis 5 kg Körpergewicht), die als in Muttermilch lösliche Tablette formuliert ist. Damit wurde eine bisherige Behandlungslücke für die ersten 6 Lebensmonate geschlossen.

Intramuskuläre Injektion

In Situationen, in denen Patienten keine Tabletten schlucken können und kein intravenöser Zugang möglich ist, kann Artemether auch als intramuskuläre Injektion gegeben werden. Diese Verabreichungsform ist jedoch weniger zuverlässig als die intravenöse Gabe von Artesunat, da die Aufnahme unregelmäßig sein kann. Die WHO empfiehlt daher bei schwerer Malaria bevorzugt intravenöses Artesunat.

Mögliche Nebenwirkungen

Artemether/Lumefantrin (Riamet) gilt als gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:

  • Kopfschmerzen
  • Appetitmangel
  • Schwindel
  • Schwäche und Müdigkeit
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Besondere Vorsicht: Herzrhythmus

Ein wichtiger Aspekt bei Artemether/Lumefantrin ist die mögliche Verlängerung des sogenannten QTc-Intervalls im EKG. Das bedeutet, dass der Herzrhythmus beeinflusst werden kann. Daher darf Riamet nicht eingenommen werden bei bestimmten Herzerkrankungen, familiärer Vorgeschichte von plötzlichem Herztod, gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente, die das QTc-Intervall verlängern (bestimmte Antibiotika, Antidepressiva, Herzmedikamente) und Elektrolytstörungen. Auch Grapefruitsaft sollte während der Behandlung vermieden werden, da er den Abbau von Artemether hemmen kann.

Besondere Patientengruppen

  • Schwangerschaft: Im ersten Trimester nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung. Im zweiten und dritten Trimester sicherer anwendbar.
  • Hormonelle Verhütung: Artemether/Lumefantrin kann die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel (Pille, Pflaster, Ring) abschwächen. Während und etwa einen Monat nach der Behandlung sollte zusätzlich eine Barrieremethode (Kondom) verwendet werden.
  • Kinder: Zugelassen ab 5 kg Körpergewicht. Tabletten können für Kleinkinder zerdrückt werden.

Zusammenfassung

Artemether ist ein fettlösliches Artemisinin-Derivat, das als Kombinationspräparat mit Lumefantrin (Riamet/Coartem) zur Standardbehandlung der unkomplizierten Malaria tropica gehört. Es wird oral als Tablette eingenommen und muss immer zusammen mit fetthaltiger Nahrung genommen werden. Die Kombination ist hochwirksam, gut verträglich und eignet sich auch als Notfall-Selbstbehandlung für Reisende. Artemether ist verschreibungspflichtig.

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