Dihydroartemisinin (DHA) – ein Artemisinin-Derivate

ArtemiCure® – Dihydroartemisinin (DHA)

Dihydroartemisinin (DHA)

Der gemeinsame aktive Endmetabolit aller Artemisinin-Derivate • ArtemiCure® / PhytoCureXL LLC – Stand: April 2026

Ein Artemisinin-Derivat aus Artemisia annua – verständlich erklärt

Was ist Dihydroartemisinin?

Dihydroartemisinin – abgekürzt DHA, auch unter dem internationalen Freinamen Artenimol bekannt – nimmt unter den Artemisinin-Derivaten eine einzigartige Doppelrolle ein: Es ist sowohl ein eigenständiger Arzneistoff als auch der aktive Metabolit (Abbauprodukt) aller anderen Artemisinin-Derivate. Egal ob Artesunat, Artemether oder Arteether verabreicht wird – sie alle werden im Körper zu DHA umgewandelt, und DHA ist es, das letztlich die Parasiten abtötet.

Man kann DHA daher als die 'gemeinsame Endstrecke' aller Artemisinin-basierten Medikamente bezeichnen. Gleichzeitig kann DHA auch direkt als Medikament eingenommen werden – in Kombination mit dem Wirkstoff Piperaquin, bekannt unter dem Handelsnamen Eurartesim.

DHA wurde 1973 von der Forschungsgruppe um Tu Youyou – die spätere Nobelpreisträgerin – erstmals aus Artemisinin synthetisiert, indem Artemisinin mit Natriumborhydrid reduziert wurde. Die dabei entstandene Hydroxylgruppe verbesserte nicht nur die Wirksamkeit gegen Malaria, sondern diente auch als Ausgangspunkt für die Synthese aller weiteren Artemisinin-Derivate (Artesunat, Artemether, Arteether).

Seit 2017 steht die Kombination DHA/Piperaquin auf der WHO-Liste der unentbehrlichen Arzneimittel. In Europa ist Eurartesim seit 2011 zugelassen.

Steckbrief auf einen Blick

Wirkstoffname Dihydroartemisinin (DHA, Artenimol)
Chemische Formel C₁₅H₂₄O₅
Molekulargewicht 284,3 g/mol
Löslichkeit Sehr schlecht wasserlöslich (< 0,1 g/L)
Verabreichung Oral (als Kombinationstablette mit Piperaquin)
Handelsname Eurartesim® (mit Piperaquin)
WHO-Listung Seit 2017 (als DHA/Piperaquin) auf der Liste unentbehrlicher Arzneimittel
Zulassung EU Oktober 2011 (EMA)
Besonderheit Aktiver Metabolit ALLER Artemisinin-Derivate

Wie wirkt Dihydroartemisinin?

Der Wirkmechanismus

DHA besitzt – wie alle Artemisinin-Verbindungen – die charakteristische Endoperoxidbrücke als zentrales Strukturelement. In den von Malaria-Parasiten befallenen roten Blutkörperchen herrschen hohe Eisenkonzentrationen, weil die Parasiten das Hämoglobin des Wirts abbauen.

Wenn DHA auf dieses freie Eisen trifft, wird die Endoperoxidbrücke gespalten. Dabei entstehen mehrere Arten hochreaktiver Moleküle: hypervalente Eisen-Oxo-Spezies, Epoxide, Aldehyde und Dicarbonylverbindungen. Einfacher gesagt: Es entstehen aggressive chemische Verbindungen, die die Zellbestandteile der Parasiten – Proteine, Fette und DNA – massiv schädigen und den Parasiten von innen heraus zerstören.

DHA wird hauptsächlich in das Alpha-DHA-Beta-Glucuronid umgewandelt und über die Nieren ausgeschieden. Die Halbwertszeit ist kurz – weshalb DHA immer mit einem länger wirkenden Partnermedikament kombiniert wird.

Warum ist DHA besonders potent?

Im Vergleich zum ursprünglichen Artemisinin hat DHA eine höhere Bioverfügbarkeit und stärkere Wirksamkeit. DHA besitzt eine Hydroxylgruppe, die den Kontakt mit biologischen Zielstrukturen im Parasiten verbessert. Studien zeigen, dass DHA bis zu 100-mal toxischer für Leukämiezellen ist als für gesunde Lymphozyten – ein Hinweis auf die hohe Selektivität des Wirkstoffs.

Wofür wird Dihydroartemisinin eingesetzt?

Haupteinsatzgebiet: Unkomplizierte Malaria

DHA wird in Kombination mit Piperaquin (Eurartesim) zur Behandlung der unkomplizierten Malaria tropica (Plasmodium falciparum) eingesetzt. Es wirkt auch gegen Plasmodium vivax, eine weitere Malaria-Art. Die Kombination DHA/Piperaquin war die erste Artemisinin-basierte Kombinationstherapie, die von der europäischen EMA zugelassen wurde (2011).

Klinische Studien in Afrika zeigten, dass DHA/Piperaquin etwas mehr Patienten heilt als die Kombination Artemether/Lumefantrin und zudem länger vor erneuten Malaria-Infektionen schützt. In Asien war DHA/Piperaquin genauso wirksam wie Artesunat plus Mefloquin, bei besserer Verträglichkeit (weniger Übelkeit, Schwindel und Schlafstörungen).

Weltweite Bedeutung

DHA/Piperaquin ist besonders in Asien und Afrika weit verbreitet. Bis 2017 wurden bereits über 4,5 Millionen Menschen damit behandelt. In Kambodscha wurde es 2012 sogar zur Erstlinientherapie gegen beide häufigen Malaria-Arten (P. falciparum und P. vivax) erklärt.

Forschung: Krebs und andere Erkrankungen

DHA ist das Artemisinin-Derivat mit den umfangreichsten Daten zur Antikrebswirkung. Studien haben gezeigt, dass DHA:

  • die Vermehrung von Krebszellen hemmt (antiproliferative Wirkung)
  • den programmierten Zelltod (Apoptose) in Krebszellen auslöst
  • die Bildung neuer Blutgefäße in Tumoren hemmt (Antiangiogenese)
  • die Wanderung und Streuung (Metastasierung) von Krebszellen bremst
  • das Immunsystem gegen Krebszellen aktivieren kann
  • Autophagie (zelluläre Selbstverdauung) und Stress im endoplasmatischen Retikulum auslösen kann

DHA zeigte in Laborstudien besonders starke Wirkung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leukämie, Knochenkrebs (Osteosarkom), Eierstockkrebs und Lungenkrebs. Der Mechanismus basiert auch hier auf der eisenvermittelten Radikalbildung: Krebszellen haben besonders viele Eisentransporter auf ihrer Oberfläche und nehmen deshalb mehr Eisen auf als gesunde Zellen.

Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse ist DHA derzeit nicht als Krebsmedikament zugelassen. Die bisherigen Daten stammen überwiegend aus Labor- und Tierstudien. Klinische Studien am Menschen sind noch in einem frühen Stadium. Zudem gibt es Hinweise auf mögliche Nervenschäden (Neurotoxizität) und Gehörschäden (Ototoxizität) bei höheren Dosierungen.

Wie wird Dihydroartemisinin angewendet?

Orale Einnahme (Eurartesim-Tabletten)

Eurartesim wird als Tablette eingenommen – einmal täglich über 3 Tage. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht:

  • Erwachsene ab 36 kg: 3 Tabletten (je 40 mg DHA / 320 mg Piperaquin) einmal täglich
  • Kinder und Erwachsene 24–36 kg: 2 Tabletten einmal täglich
  • Kinder 13–24 kg: 1 Tablette einmal täglich
  • Kinder 5–13 kg: eine halbe Tablette einmal täglich (als 20/160 mg Tablette)

Besondere Einnahmeregeln

Sehr wichtig: Eurartesim muss auf nüchternen Magen eingenommen werden! Die letzte Mahlzeit muss mindestens 3 Stunden zurückliegen, und nach der Einnahme darf 3 Stunden lang nichts gegessen werden. Die Tablette wird nur mit Wasser geschluckt.

Dies steht im direkten Gegensatz zu Artemether/Lumefantrin (Riamet), das mit fetthaltiger Nahrung eingenommen werden muss! Der Grund: Bei Einnahme mit Nahrung steigt die Aufnahme von Piperaquin um das Dreifache, was zu einer verstärkten und potenziell gefährlichen Verlängerung des QTc-Intervalls am Herzen führen kann.

Für Säuglinge und Kleinkinder, die keine Tabletten schlucken können, dürfen die Tabletten zerdrückt und mit Wasser gemischt werden. Die Mischung muss sofort verwendet werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von DHA/Piperaquin (Eurartesim) sind insgesamt selten und umfassen:

  • QTc-Verlängerung: Die wichtigste Nebenwirkung. Das QTc-Intervall im EKG kann verlängert werden, was theoretisch das Risiko von Herzrhythmusstörungen erhöht. In der klinischen Praxis traten jedoch keine schwerwiegenden Herzereignisse auf.
  • Magen-Darm-Beschwerden: Selten Übelkeit, Erbrechen, Durchfall.
  • Juckreiz (Pruritus)
  • Leberwert-Veränderungen: Selten und in der Regel vorübergehend.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Wann darf Eurartesim nicht eingenommen werden?

  • Bei bekannter Verlängerung des QTc-Intervalls oder familiärer Vorgeschichte von plötzlichem Herztod
  • Bei symptomatischen Herzrhythmusstörungen oder klinisch relevanter Bradykardie (zu langsamer Herzschlag)
  • Bei schwerer Malaria (hier ist intravenöses Artesunat das Mittel der Wahl)
  • Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, die das QTc-Intervall verlängern
  • Innerhalb von 2 Monaten nach einer vorherigen Eurartesim-Behandlung (wegen der langen Halbwertszeit von Piperaquin von ca. 22 Tagen)
  • Maximal 2 Behandlungen innerhalb von 12 Monaten

Besondere Patientengruppen

  • Schwangerschaft: Es liegen nur begrenzte Daten vor. Im ersten Trimester wird von der Anwendung abgeraten.
  • Kinder: Zugelassen ab einem Körpergewicht von 5 kg (etwa ab 6 Monaten).
  • Ältere Patienten: Besondere Vorsicht wegen möglicher altersbedingt eingeschränkter Herz-, Leber- und Nierenfunktion.
  • Leber-/Nierenfunktionsstörung: Keine Studien vorhanden, Vorsicht geboten.

Die Doppelrolle von DHA: Metabolit und Medikament

DHA ist in der Welt der Artemisinin-Derivate einzigartig, weil es zwei Rollen gleichzeitig spielt:

Als Metabolit: Jedes Mal, wenn ein Patient Artesunat, Artemether oder Arteether erhält, wird der Wirkstoff im Körper zu DHA umgewandelt. DHA ist also der 'gemeinsame Nenner' aller Artemisinin-Therapien. Die Geschwindigkeit dieser Umwandlung variiert: Artesunat wird innerhalb von Minuten zu DHA (sehr schnell), Artemether innerhalb von Stunden (mittelschnell), und Arteether über viele Stunden (langsam).

Als eigenständiges Medikament: In der Kombination mit Piperaquin (Eurartesim) wird DHA direkt verabreicht, ohne den Umweg über ein anderes Derivat. Die orale Bioverfügbarkeit von DHA liegt bei etwa 45 %, was für eine direkte orale Gabe ausreichend ist.

Zusammenfassung

Dihydroartemisinin (DHA) ist der wichtigste aktive Wirkstoff in der gesamten Artemisinin-Familie. Es ist der gemeinsame Metabolit aller Artemisinin-Derivate und wird gleichzeitig als eigenständiges Medikament in Kombination mit Piperaquin (Eurartesim) zur Behandlung unkomplizierter Malaria eingesetzt. DHA wirkt über die eisenvermittelte Spaltung seiner Endoperoxidbrücke und die Bildung zelltoxischer Radikale. In der Krebsforschung ist DHA das am intensivsten untersuchte Artemisinin-Derivat mit vielversprechenden, aber noch nicht klinisch bestätigten Ergebnissen. Eurartesim muss nüchtern eingenommen werden und erfordert besondere Aufmerksamkeit bezüglich möglicher Herzrhythmusstörungen (QTc-Verlängerung).

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