ArtemiCure® – Malariaprophylaxe: Was sie leisten kann und was nicht

Malariaprophylaxe: Artemisia annua – was sie kann und was nicht

Warum es keinen sicheren Malariaschutz gibt, wie wirksame Vorbeugung tatsächlich funktioniert und weshalb Artemisia annua dafür nach unserer Auffassung nicht der richtige Weg ist

ArtemiCure® – Leitartikel | Stand: September 2026

Das Wichtigste zuerst

Wer sich auf eine Reise in ein Malariagebiet vorbereitet, sucht meist nach einer einfachen Antwort: Was muss ich nehmen, damit ich keine Malaria bekomme?

Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort – und das ist der wichtigste Punkt dieses Artikels.

Drei Sätze, auf die es ankommt

Erstens: Es gibt keine Malariaprophylaxe im alltagssprachlichen Sinne eines sicheren Schutzes. Niemand kann etwas einnehmen und anschließend sicher sein, keine Malaria mehr bekommen zu können.

Zweitens: Es gibt sehr wohl wirksame medikamentöse Prophylaxen, die das Erkrankungsrisiko deutlich senken. Welches Präparat geeignet ist, hängt vom Reiseziel, den dort vorkommenden Parasitenarten, der Resistenzlage und den persönlichen Voraussetzungen ab. Diese Auswahl gehört in eine reisemedizinische Beratung.

Drittens: Artemisia annua oder Artemisinin sollte nicht als Ersatz für eine solche Prophylaxe verstanden oder beworben werden. In diesem Punkt teilen wir ausdrücklich die Position der Weltgesundheitsorganisation.

Warum wir das so deutlich sagen, obwohl sich diese Seite intensiv mit Artemisia annua beschäftigt, erklären die folgenden Abschnitte.

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Was ist Malaria überhaupt?

Malaria wird weder durch ein Virus noch durch ein Bakterium verursacht, sondern durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium.

Übertragen werden sie überwiegend durch den Stich infizierter weiblicher Anopheles-Mücken.

Schon dieser Unterschied ist praktisch bedeutsam: Ein Parasit durchläuft im menschlichen Körper mehrere Entwicklungsstadien in verschiedenen Organen. Ein Wirkstoff kann deshalb gegen ein Stadium wirken und gegen ein anderes nicht.

Hinzu kommt: „Die Malaria“ gibt es nicht. Beim Menschen verursachen mehrere Plasmodium-Arten die Erkrankung, und sie unterscheiden sich in Verbreitung, Krankheitsverlauf und Behandelbarkeit.

Parasit Typische geografische Bedeutung
P. falciparum Vor allem Subsahara-Afrika, außerdem Teile Asiens, Lateinamerikas und Ozeaniens. Weltweit die bedeutendste Art und Ursache der schwersten Verläufe.
P. vivax Besonders verbreitet in Asien und Lateinamerika, außerhalb Subsahara-Afrikas die häufigste Art. Kann ruhende Leberstadien bilden.
P. ovale Vor allem Subsahara-Afrika und einzelne weitere tropische Regionen. Bildet ebenfalls ruhende Leberstadien.
P. malariae Afrika, Asien und Südamerika; insgesamt deutlich seltener.
P. knowlesi Vor allem Südostasien. Eine zoonotische Malaria mit Makaken als natürlichem Reservoir.

Die geografischen Angaben sind Schwerpunkte, keine scharfen Grenzen. Verbreitungsgebiete überlappen sich und verändern sich über die Zeit.

Diese Vielfalt ist der Grund dafür, dass es keine einzige Tablette gibt, die weltweit für jedes Reiseziel und jeden Menschen dasselbe leistet.

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Wie wird Malaria übertragen?

Der Übertragungsweg erklärt viel darüber, warum Vorbeugung so schwierig ist.

  1. Eine Anopheles-Mücke sticht einen infizierten Menschen und nimmt dabei Parasiten mit dem Blut auf.
  2. In der Mücke entwickeln sich die Parasiten über mehrere Tage weiter und wandern in die Speicheldrüsen.
  3. Beim nächsten Stich gelangen sie in den Blutkreislauf eines anderen Menschen.
  4. Von dort erreichen sie zunächst die Leber und vermehren sich dort, ohne Beschwerden zu verursachen.
  5. Anschließend gelangen sie zurück ins Blut und befallen rote Blutkörperchen. Erst jetzt entstehen die typischen Symptome.
  6. Sticht erneut eine Mücke, beginnt der Kreislauf von vorn.

Wichtig daran ist: Ein Medikament legt keine unsichtbare Schutzmauer um den Menschen. Es kann den Stich nicht verhindern und die Aufnahme der Parasiten nicht blockieren.

Wirkstoffe zur Vorbeugung greifen vielmehr an bestimmten Stellen dieses Kreislaufs ein – etwa in der Leberphase oder in der Blutphase. Genau deshalb müssen sie in einem festgelegten Zeitschema eingenommen werden und nicht einfach „bei Bedarf“.

Und deshalb bleibt der Schutz vor Mückenstichen selbst – Kleidung, Repellents, imprägnierte Moskitonetze – ein eigenständiger und wichtiger Teil der Vorbeugung.

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Warum Malaria oft erst nach der Reise auffällt

Nach einem infektiösen Mückenstich treten Beschwerden nicht sofort auf.

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC liegt die Inkubationszeit in den meisten Fällen zwischen 7 und 30 Tagen. Die kürzeren Zeiträume werden vor allem bei P. falciparum beobachtet, die längeren bei P. malariae.

Bei P. vivax und P. ovale kann es deutlich länger dauern. Diese Arten bilden ruhende Leberstadien, die erst nach Monaten oder sogar Jahren wieder aktiv werden und dann eine Erkrankung auslösen können.

Wer zwei Wochen in einem Malariagebiet verbringt, kann sich dort infizieren, beschwerdefrei nach Hause zurückkehren und erst danach erkranken.

Hinzu kommt: Eine eingenommene Prophylaxe kann das Auftreten der Symptome zusätzlich um Wochen oder Monate verzögern.

Deshalb gilt: Fieber nach einer Reise in ein Malariagebiet ist immer ein Grund für eine sofortige ärztliche Abklärung – auch dann, wenn eine Prophylaxe eingenommen wurde, und auch dann, wenn die Reise schon Wochen zurückliegt.

Gerade bei P. falciparum kann sich eine Malaria innerhalb weniger Tage zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln. Eine frühe Diagnose ist deshalb wichtiger als jede Diskussion über Vorbeugung.

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Was eine medikamentöse Prophylaxe leisten kann

Es gibt wirksame Medikamente zur Malariavorbeugung, die sogenannte Chemoprophylaxe. Sie sind gut untersucht und können das Erkrankungsrisiko erheblich senken.

Sie werden jedoch nicht pauschal „gegen Malaria“ ausgewählt. Entscheidend sind unter anderem:

  • das konkrete Reiseziel und das dortige Übertragungsrisiko,
  • die vor Ort vorkommenden Plasmodium-Arten,
  • die regionale Resistenzlage,
  • Reisedauer, Reisestil und Art der Exposition,
  • Vorerkrankungen, weitere Medikamente, Schwangerschaft und Alter.

Ein Beispiel: Für Zielgebiete mit chloroquinresistenten Parasiten – dazu zählt etwa Tansania – nennt das CDC als mögliche Optionen Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin, Mefloquin oder Tafenoquin. Für andere Länder sehen die Empfehlungen anders aus. Vor der Anwendung von Tafenoquin ist zudem eine Labortestung auf einen G6PD-Mangel erforderlich.

Diese Aufzählung dient ausschließlich der Veranschaulichung. Sie ist keine Empfehlung und ersetzt keine ärztliche Beratung. Auswahl, Beginn, Dauer und Fortführung nach der Rückkehr gehören in fachkundige Hände.

Eine wirksame Chemoprophylaxe ist etwas völlig anderes als „eine Tablette gegen Malaria“. Sie ist eine gezielte, zeitlich definierte Strategie für ein bestimmtes Risikoprofil.

Auch sie bietet keinen absoluten Schutz. Selbst bei korrekter Auswahl und zuverlässiger Einnahme kann eine Malaria auftreten. Das ist kein Argument gegen die Prophylaxe – es ist der Grund, warum Mückenschutz und aufmerksame Selbstbeobachtung nach der Reise dazugehören.

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Warum Artemisia annua hier nicht hineinpasst

Artemisia annua enthält antimalarisch aktive Inhaltsstoffe. Aus dieser Pflanze wurde Artemisinin isoliert, das heute Grundlage der wichtigsten Malariamedikamente ist.

Das macht die Pflanze wissenschaftlich und therapeutisch hochinteressant. Gerade daraus folgt aber nicht, dass sie sich als allgemeine Dauerprophylaxe eignet.

Die Weltgesundheitsorganisation lehnt die Verwendung nicht-pharmazeutischer Artemisia-Zubereitungen zur Malariavorbeugung und -behandlung seit 2019 ab. Ihre Begründung umfasst mehrere Punkte:

  • stark schwankende Wirkstoffgehalte in pflanzlichen Zubereitungen,
  • Schwierigkeiten bei Dosierung, Standardisierung und Qualitätssicherung,
  • teilweise unvollständige Beseitigung der Parasiten,
  • daraus folgend das Risiko, dass die Erkrankung nach kurzer Besserung zurückkehrt,
  • die Gefahr, die Entwicklung und Ausbreitung von Resistenzen zu beschleunigen,
  • und die schlechte Eignung von Artemisinin als Präventionswirkstoff: Es wird im Körper rasch abgebaut und kann deshalb keinen gleichmäßigen vorbeugenden Spiegel aufrechterhalten.

Diesen Kern der WHO-Argumentation teilen wir.

Wer eine Reise in ein Malariagebiet plant, sollte eine passende, geprüfte Prophylaxestrategie mit einer reisemedizinisch erfahrenen Ärztin oder einem Arzt besprechen. Artemisia annua ist dafür nicht unser Rat.

Dass Menschen sich in dieser Annahme dennoch auf die Pflanze verlassen haben, ist dokumentiert. 2016 wurden zwei französische Reisende beschrieben, die nach nicht-pharmazeutischer Artemisia-Anwendung eine schwere Falciparum-Malaria entwickelten und intensivmedizinisch behandelt werden mussten. 2023 kam ein weiterer Fall nach regelmäßiger Teeeinnahme während eines Kamerun-Aufenthalts hinzu.

Aus Einzelfällen lässt sich keine Schutzrate berechnen. Sie zeigen aber, dass ein Versagen dieser Anwendung nicht theoretisch ist.

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Was die Uganda-Studie zeigte

Zur Vollständigkeit gehört auch der bekannteste Humanbefund, der in eine andere Richtung weist.

Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie ugandischer Forschungs­institute untersuchte 132 Arbeiter einer Blumenfarm in einem Gebiet, in dem Malaria ganzjährig vorkommt. Eine Gruppe erhielt einmal wöchentlich einen Aufguss aus getrockneten Artemisia-annua-Blättern, die andere ein Placebo. Klinische Malariaepisoden wurden über neun Monate erfasst.

Das Ergebnis

  • Artemisia-Gruppe: 12 von 67 Teilnehmern mit mehr als einer Malariaepisode.
  • Placebogruppe: 26 von 65 Teilnehmern.
  • Das Risiko wiederholter klinischer Episoden war damit um rund 55 Prozent geringer; der Unterschied war statistisch signifikant.
  • Schwere unerwünschte Wirkungen wurden nicht berichtet; am häufigsten beanstandet wurde der bittere Geschmack.
  • Die Autoren selbst nannten eine mögliche Resistenzentwicklung als wesentliches Hindernis für einen breiten Einsatz.

Dieser Befund ist ernst zu nehmen. Er trägt jedoch nur so weit, wie die Untersuchung reicht:

  • Erfasst wurden Erkrankungen, nicht Infektionen. Ein Nachweis, dass Ansteckungen verhindert wurden, liegt nicht vor.
  • Untersucht wurde eine einmal wöchentliche Einnahme – keine tägliche Dauerprophylaxe.
  • Die Teilnehmer lebten dauerhaft im Malariagebiet und hatten durch die wiederholte Exposition eine gewisse eigene Abwehr aufgebaut. Auf nicht-immune Reisende lässt sich das nicht übertragen.
  • Die Studie wurde an einem einzigen Ort durchgeführt. Eine unabhängige Wiederholung ist bislang nicht dokumentiert.
  • Begleitfaktoren wie Ernährungszustand, andere eingenommene Mittel oder die tatsächliche Mückenexposition wurden nicht im Einzelnen erfasst.

Damit ist die Uganda-Studie ein interessantes Beweisstück innerhalb einer größeren Frage – aber keine Grundlage für eine Reiseempfehlung.

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„Weniger Malaria“ ist nicht „geschützt“

Hier liegt der gedankliche Kern des gesamten Themas.

Eine Maßnahme kann für eine ganze Bevölkerungsgruppe sehr wertvoll sein und trotzdem für den einzelnen Menschen keinen Schutz garantieren.

Wenn in einer Gruppe von hundert Menschen die Zahl der Erkrankungen um die Hälfte sinkt, ist das gesundheitspolitisch bedeutsam. Für die einzelne Person bedeutet es aber nur: Die Wahrscheinlichkeit ist gesunken. Ob sie zu den Erkrankten gehört oder nicht, ist damit nicht entschieden.

Dieses Prinzip gilt für jede Form der Vorbeugung. Auch Malariaimpfstoffe senken die Zahl der Erkrankungen deutlich, ohne jede Infektion zu verhindern. Auch eine sorgfältig ausgewählte Chemoprophylaxe kann versagen. Auch ein Moskitonetz verhindert nicht jeden Stich.

Der Unterschied liegt in der Belastbarkeit: Für die medikamentöse Prophylaxe und für die Impfstoffe existieren große Zulassungsprogramme, umfangreiche Anwendungsdaten und behördliche Empfehlungen. Für die wöchentliche Artemisia-Infusion existiert eine einzelne, nicht wiederholte Studie.

Beides sind Wahrscheinlichkeiten – aber sie sind unterschiedlich gut belegt.

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Tee, Blatt, Extrakt und Artemisinin

In der Diskussion wird häufig einfach von „Artemisia“ gesprochen. Pharmakologisch handelt es sich jedoch um verschiedene Produkte.

  • Aufguss oder Tee: Wasser löst nur einen Teil der Inhaltsstoffe aus dem Pflanzenmaterial.
  • Getrocknetes Blatt oder Blattpulver: Hier bleibt ein wesentlich größerer Teil der natürlichen Pflanzenmatrix erhalten.
  • Extrakt: Die Zusammensetzung hängt stark vom Lösungsmittel und vom Herstellungsverfahren ab.
  • Artemisinin: der isolierte, chemisch definierte Einzelstoff.

Diese Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sondern entscheidet darüber, welche Studie überhaupt worüber etwas aussagt. Die Uganda-Studie verwendete einen wässrigen Aufguss. Die Resistenzexperimente liefen mit getrocknetem Pflanzenmaterial im Tiermodell. Die chinesische Untersuchung von 2025 prüfte Extrakte. Und die Daten zum raschen Abbau im Körper stammen vom isolierten Artemisinin.

Diese Ergebnisse dürfen aufeinander bezogen werden. Sie dürfen aber nicht so dargestellt werden, als ginge es um dasselbe Präparat.

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Warum wir die Resistenzwarnung der WHO unterstützen

Gerade weil Artemisia annua beziehungsweise Artemisinin biologisch wirkt, ist eine unkontrollierte Daueranwendung problematisch.

Der Wirkstoffgehalt der Pflanze schwankt erheblich – abhängig von Sorte, Anbau, Erntezeitpunkt, Lagerung und Zubereitung.

Werden Malariaparasiten wiederholt Wirkstoffmengen ausgesetzt, die sie schwächen, aber nicht zuverlässig abtöten, überleben bevorzugt die weniger empfindlichen. Genau diese vermehren sich weiter.

Über viele Krankheitsfälle und Übertragungszyklen können sich dadurch Parasiten durchsetzen, auf die der Wirkstoff schlechter anspricht. Das bezeichnet man als Resistenzentwicklung.

Diese Sorge ist nicht theoretisch. Eine teilweise Artemisinin-Resistenz ist inzwischen in mehreren ostafrikanischen Ländern bestätigt. „Teilweise“ bedeutet dabei nicht, dass der Wirkstoff unwirksam geworden wäre – die Parasiten verschwinden nach Behandlungsbeginn langsamer aus dem Blut. Das ist ein Warnsignal, kein vollständiges Therapieversagen.

Entscheidend ist die Reichweite des Problems: Wer Artemisinin unkontrolliert und dauerhaft aufnimmt, riskiert nicht nur etwas für sich selbst. Betroffen wären auch Menschen, die später auf eine artemisininbasierte Behandlung angewiesen sind.

Artemisinin ist damit nicht nur ein individuelles Therapiemittel, sondern Teil einer gemeinsamen Wirkstoffreserve. Aus diesem Grund halten wir die Warnung für berechtigt.

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Wo wir trotzdem weiterforschen würden

Aus alldem folgt nicht, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Pflanze abgeschlossen wäre. Im Gegenteil: Mehrere Fragen sind offen und aus unserer Sicht untersuchenswert.

  • Pflanzenmatrix: Präklinische Arbeiten deuten darauf hin, dass Begleitstoffe der Pflanze Aufnahme und Wirkung von Artemisinin verändern können. Ob und wie stark das beim Menschen gilt, ist ungeklärt.
  • Standardisierung: Wenn die Matrix eine Rolle spielt, genügt es womöglich nicht, allein den Artemisinin-Gehalt festzulegen. Chemotyp, Pflanzenteil, Anbau, Erntezeitpunkt, Extraktionsverfahren, Chargenkonstanz und Verunreinigungen gehören ebenso dazu.
  • Pharmakokinetik: Für isoliertes Artemisinin sind kurze Verweildauer und ein beschleunigter Eigenabbau bei wiederholter Einnahme beschrieben. Ob eine Pflanzenzubereitung sich ebenso verhält, ist offen.
  • Resistenzdynamik: Im Tiermodell entwickelte sich Resistenz gegenüber getrocknetem Pflanzenmaterial langsamer als gegenüber dem Reinstoff. Ob sich das beim Menschen bestätigt, ist unbekannt.
  • Historische Verarbeitung: Die überlieferten Zubereitungsregeln – bestimmte Pflanze, bestimmter Pflanzenteil, kaltes Wasser statt Abkochen – waren bereits eine Form handwerklicher Prozesskontrolle. Moderne Analytik kann solche Vorgaben präzisieren und reproduzierbar machen.

Diese Fragen sind Forschungsfragen. Sie sind ausdrücklich keine Anwendungsempfehlung – und die WHO verbietet ihre Untersuchung auch nicht. Sie rät von der Bewerbung und Verwendung nicht-pharmazeutischer Zubereitungen zur Vorbeugung und Behandlung ab.

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Unsere Position

Es gibt wirksame medikamentöse Strategien zur Malariaprophylaxe. Sie müssen jedoch passend zu Reiseziel, Parasitenart, Resistenzlage und Person ausgewählt werden – und stellen auch dann keinen absoluten Schutz dar.

Artemisia annua beziehungsweise nicht-pharmazeutische Artemisia-Zubereitungen sehen wir derzeit nicht als geeigneten Ersatz für diese Prophylaxe. In diesem Punkt unterstützen wir die Position der WHO.

Gleichzeitig ist damit die wissenschaftliche Frage nach standardisierten Pflanzenzubereitungen, Extrakten, Pharmakokinetik und Resistenzdynamik nicht beantwortet.

Risikoreduktion ist kein Schutzversprechen.
Standardisieren statt pauschalisieren.
Qualität sichern statt unkontrolliert bewerben.
Weiterforschen statt vorschnell abschließen.

Wir raten von einer allgemeinen und dauerhaften prophylaktischen Anwendung von Artemisia annua ab – nicht, weil eine biologische Wirkung ausgeschlossen wäre, sondern gerade weil eine Wirkung vorhanden ist und die langfristige Wirksamkeit von Artemisinin erhalten werden muss.

Hinweis für Leser

Dieser Artikel dient der Information und der Einordnung des Forschungsstands. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und enthält keine Dosierungsempfehlungen.

Wer in ein Malariagebiet reist, sollte die geeignete Vorbeugung rechtzeitig reisemedizinisch abklären lassen. Wer nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet Fieber entwickelt, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und auf die Reise hinweisen.

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Quellen

  1. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Features of Malaria. Angaben zu Inkubationszeit (in den meisten Fällen 7 bis 30 Tage), ruhenden Leberstadien bei P. vivax und P. ovale sowie zur möglichen Verzögerung der Symptome unter Prophylaxe.
    cdc.gov – Clinical Features of Malaria
  2. CDC Yellow Book – Malaria. Übersicht zu Malariarisiken bei Reisenden, regionalen Resistenzlagen und Optionen der Chemoprophylaxe, darunter Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin, Mefloquin und Tafenoquin sowie zur erforderlichen G6PD-Testung.
    cdc.gov – Yellow Book, Malaria
  3. World Health Organization: Malaria – Fact sheet sowie Informationen zum Lebenszyklus und zur Übertragung durch Anopheles-Mücken.
    who.int – Malaria
  4. World Health Organization (2019): The use of non-pharmaceutical forms of Artemisia. WHO/CDS/GMP/2019.14. Positionspapier zu pflanzlichen Artemisia-Zubereitungen, Standardisierung, Parasitenelimination, Prävention und Resistenzrisiko.
    who.int – The use of non-pharmaceutical forms of Artemisia
  5. Ogwang PE, Ogwal JO, Kasasa S, Olila D, Ejobi F, Kabasa D, Obua C. (2012): Artemisia annua L. Infusion Consumed Once a Week Reduces Risk of Multiple Episodes of Malaria: A Randomised Trial in a Ugandan Community. Tropical Journal of Pharmaceutical Research 11(3):445–453. DOI: 10.4314/tjpr.v11i3.14
  6. Lagarce L, Lerolle N, Asfar P, Le Govic Y, Lainé-Cessac P, de Gentile L. (2016): A non-pharmaceutical form of Artemisia annua is not effective in preventing Plasmodium falciparum malaria. Journal of Travel Medicine 23(5). DOI: 10.1093/jtm/taw049
  7. Cohen O, Boutrou M, Nacher M, Caumes E, Djossou F, Epelboin L. (2023): A severe case of Plasmodium falciparum malaria imported by a French traveler from Cameroon to French Guiana despite regular intake of Artemisia annua herbal tea. Revista do Instituto de Medicina Tropical de São Paulo 65. DOI: 10.1590/S1678-9946202365003
  8. Elfawal MA, Towler MJ, Reich NG, Weathers PJ, Rich SM. (2015): Dried whole-plant Artemisia annua slows evolution of malaria drug resistance and overcomes resistance to artemisinin. Proceedings of the National Academy of Sciences 112(3):821–826. DOI: 10.1073/pnas.1413127112
  9. Xu F, Shan X, Li J, Li J, Yuan J, Zou D, Wang M. (2025): The plant matrix of Artemisia annua L. for the treatment of malaria: Pharmacodynamic and pharmacokinetic studies. PLOS ONE 20(5):e0322835. DOI: 10.1371/journal.pone.0322835
  10. Gordi T et al. (2005): A semiphysiological pharmacokinetic model for artemisinin in healthy subjects incorporating autoinduction of metabolism and saturable first-pass hepatic extraction. British Journal of Clinical Pharmacology. DOI: 10.1111/j.1365-2125.2004.02321.x

Anmerkung zur Quellenwahl: Berücksichtigt wurden behördliche Stellungnahmen, Humanstudien, Fallberichte und präklinische Arbeiten – unabhängig davon, ob sie die hier vertretene Position stützen, einschränken oder ihr widersprechen.

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